Die Geschichte unserer Orgel

 

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Informationen zur Verfügung, die wir von verschiedenen Autoren zu zur Geschichte der Gedächtnis-Orgel erhalten haben und auch künftig erhalten werden.

 

Sicherlich können Sie das ein oder andere erfahren, das Sie bisher nicht gewusst haben. Viel Spass beim Stöbern in den Geschichtsbüchern.

 

 

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Norbert Bongartz, Stuttgart schrieb im Dezember 2013 über unsere Orgel:

 

Betritt man den freundlich-hellen Kirchenraum der Gedächtniskirche, dann gleitet der erste Blick über die Kirchenbänke hinweg hinauf zur weit geöffneten Musik-Empore mit der Orgel.

 

Eine ähnlich prominente Stellung im Kirchenraum hatte eine Kirchenorgel in Stuttgart zuvor nur in der ab 1906 erbauten Markuskirche und in der nur wenig jüngeren Gaisburger Kirche. In Gaisburg rahmen zwei streng symmetrisch angeordete Orgelwerke den Altarraum der Kiche ein, was dank der neuerlichen elektrischen Steuertechnik möglich geworden war. In der Markuskirche wurde die Orgel „im Angesicht der Gemeinde“ hinter dem Altar eingebaut; der ungewöhnlich mit steinernen Bögen eingefaßte monumentale Orgelprospekt spannt sich über die ganze Breite des Kirchenraums. 

 

Der für den Bau der Gedächtniskirche mehr als nur mitverantwortliche Pfarrer Dr. Werner Jetter war von Anfang an so begeistert von der Entwurfsidee des Architekten Helmut Erdle, die Orgel- und Chorempore prominent, aber nicht dominant im Kirchenraum unterzubringen, dass er nicht länger ruhte, bis er diesen Wettbewerbs-Beitrag zu einem Leit-Motiv der neuen Kirche machen konnte, zu einem wesentlichen Programm-Element.

 

Absichtsvoll erhielt die Orgel kein Gehäuse für ihre Pfeifen, sondern einen so genannten Frei-pfeifen-Prospekt, mit dem sich die Orgel gewissermaßen rahmenlos, „pur“ präsentiert. Der Frei-pfeifen-Prospekt setzt sich aus drei Gruppen zusammen, von denen die vorderen zwei mit übereck arrangierten Pfeifen körperhaft in den Raum gestellt sind; die dritte Pfeifengruppe erhielt nur eine Prospektpfeifen-Front.

Während die beiden rückwärtigen, mit matt-grauen Zinnpfeifen in Erscheinung tretenden Gruppen auf einem ebenso grau getönten neutralen Unterbau stehen, wurde die vordere Pfeifen-gruppe im Raum schwebend und über die Emporenbrüstung hinaus ragend inszeniert und präsentiert sich dort mit brilliant-glänzenden Zinkpfeifen gewissermaßen solistisch.

 

Als kontrapunktisches Motiv gegenüber den drei gleich verlaufenden harfen-ähnlichen Schwüngen der Prospektpfeifen ist eine kleine Pfeifengruppe mit gegenläufigem Schwung vor die mittleren Prospektpfeifen gesetzt, wodurch diese zum Zentrum des sonst asymmetrischen Gesamt-prospekts wurde. Hier findet sich auch an der Oberkante des Gehäuse-Unterbaus die in einem Metallschild eingravierte Widmungsinschrift der Stifter.

 

In gleichem Maße programmatisch wie die Gestaltung des Pfeifenwerks wurde auch der Spiel-tisch der Orgel auf Rollen gesetzt und dadurch beliebig drehbar, um auf diese Weise vielfältig und kommunikativ nutzbar zu sein. Ein armdickes bewegliches Kabelbündel bildet die elektonische Nabelschnur mit dem stationären Teil des Orgelwerks.

 

Freiheit, Transparenz und Offenheit kennzeichnen die bauliche und gestalterische Erscheinung des Ortes der Kirchenmusik in der Gedächtniskirche. Nicht zuletzt deswegen ist die Brüstung der Orgelempore mit (wenngleich nur wenig durchsichtigen) Glaspaneelen ausgestattet worden, was in der Entstehungszeit der Gedächtniskirche noch ein Novum war.