Gedächtniskirche

Nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurde die Gedächtniskirche 1957 neu aufgebaut. Wie die Rosenbergkirche ist sie eine Vertreterin  der „Zweiten Moderne“ mit zahlreichen denkmalwürdigen Details im Inneren und Äußeren. Als Kirche im Grünen tritt der Baukörper hinter Bäumen und hinter einem großzügigen Kirchvorplatz zurück. Und bildet  mit seinem großzügigen Innenraum und den vielfältigen Bau- und Gestaltungselementen Platz für über 800 Personen. Besonderer Schwerpunkt ist die auf Helmuth Rilling zurückgehende  vielfältige kirchenmusikalische Ausrichtung mit verschiedenen Ensembles und einem umfangreichen Konzertprogramm.

Der erneuerte Vorplatz

Willkommen auf dem neuen Vorplatz der Gedächtniskirche!

 Viele Wochen hat es gedauert und die Kirchenbesucher mussten zeitweise so manche Umleitung durch Nebeneingänge in Kauf nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Nun aber erstrahlt der Kirchplatz vor der Gedächtniskirche in neuem Glanz und die Neupflanzungen warten nur noch darauf, vom Frühling wachgeküsst zu werden. Weil sich der Plattenbelag durch Baumwurzeln im Laufe der Jahre stellenweise erheblich gehoben hatte und gefährliche Stolperfallen aufwies und weil sich die Gemeinde einen stufenlosen, barrierefreien Zugang zur Kirche wünschte, entschloss man sich zur Generalsanierung. Drei Gestaltungsvorschläge eines Landschaftsarchitekten standen zur Auswahl. Entschieden wurde zugunsten des Entwurfs „Kirchenjahr“.

Das Kirchenjahr, dessen Jahresrhythmus die christlichen Feste bestimmen, wird durch die kreisrunde Gestalt des Vorplatzes symbolisiert. Ausgehend vom Kreismittelpunkt wurden die Beete neu angelegt, die in ihrer farblichen Ausgestaltung den liturgischen Farben des Kirchenjahrs folgen. Die Neupflanzung überträgt gewissermaßen die Symbolik der Paramente an Altar und Kanzel in den Außenbereich!

Dabei steht die Farbe Grün für die grünende Saat: die Zeit des stillen Wachsens und Reifens des Glaubens. In diesen Bereichen wurde vor allem Liguster gepflanzt. Violett, die Farbe der Buße, des Wartens und der Vorbereitung auf die hohen Festzeiten des Kirchenjahrs, taucht in Gestalt der Purpurbeere und des Zierlauchs auf. Rote Sommerspiere und Scharlachdorn stehen für das Rot der Kirchenfeste. Zugleich ist Rot die Farbe des Blutes der Glaubenszeugen (Pfingsten, Märtyrertage). Das Weiß der Christus- feste versinnbildlichen weiße Tulpen und weißer Fingerstrauch. Und schwarzer Holunder nimmt den Karfreitag farblich auf.

Ergänzt werden die Beete durch Bäume und Pflanzen, die in der Bibel Erwähnung finden oder denen ein biblischer Bezug zuge- ordnet wird. Darunter finden sich viele essbare Gewächse, aber auch symbolbehaftete: Auf dem Vorplatz wachsen nun echter Wein, eine Maulbeere, ein Apfel-, ein Quitten- und ein Judasbaum, der seinen Namen einer Legende aus dem Mittelmeerraum verdankt: Demnach lief der Baum, an dem sich Judas laut Mt 27, 3-5 erhängte, vor Scham rot an. Die runden Blätter, die während der (rosa) Blüte gebildet werden, stehen für die Silberstücke, die Judas für seinen Verrat erhielt.

Zwei Hauptwege durchziehen den Vorplatz: eine Hauptachse von der Treppe zum Haupteingang und eine Diagonale von der Lessingstrasse (barrierefreier Zugang) am Turm vorbei. Nach wie vor bildet der von Karl Ulrich Nuss gestaltete Brunnen den Mittelpunkt des Platzes, der weiterhin viele Menschen zum Verweilen einladen soll. Dazu allerdings müssten nun in einem letzten Kraftakt noch geeignete Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Denn leider nagt an den vorhandenen Gitterstühlen der rostige Zahn der Zeit und ihre Tage sind gezählt…

Clarissa Soder