Umbau zum Rosenbergzentrum

Jubiläumsjahr 2006/2007 als Ausgangspunkt

2006/2007 feierte die Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde das 50-Jahr Jubiläum ihrer beiden Kirchen, die fast zeitgleich in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut wurden.  Das Jubiläumsjahr bot Gelegenheit für Rückblick und Perspektive, auch für die Entscheidung für den Umbau der Rosenbergkirche.

Gesellschaftlicher Wandel, Wertewandel und Wandel der Kirchengemeinde

Wie bei vielen Innenstadtgemeinden hatte sich in der Zeit vorher ein erheblicher Wandel vollzogen. Der Rosenbergteil der Gemeinde ist von ca. 10.000 Mitgliedern beim Bau der Kirche 1956 bis 2006 auf ca. 3.300 geschrumpft, die Gottesdienstbesucher haben sich oft in  den leeren Bänken verloren.

Trotz vieler Versuche, die Angebote zu verändern, neue Gottesdienstformen einzuführen ist die Zahl der Kerngemeinde stetig zurückgegangen. Und noch stärker als bei der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung dominieren die älteren Jahrgänge. Kirche befindet sich in starker Konkurrenz mit anderen Angeboten, die Individualisierung der Gesellschaft bedingt zusätzlich eine Abkehr von Gemeinschaftlichem, also auch von der Kirche. Dieser Prozess spiegelt sich bisher in  Größe und Ausrichtung der Gemeindräume nicht wieder.

 

2006 wurde die Idee, den Standort Rosenberg als eine Art Nachbarschaftszentrum zu entwickeln, als Antwort auf die geschilderte Entwicklung, wieder aufgenommen. Die Fusion der beiden Gemeindeteile Rosenberg und Gedächtnis im Jahr 2001 war eine wesentliche Voraussetzung dafür.

Umbau und Wiedereröffnung

Nach einem längeren Entscheidungsprozess - auch in der Gesamtkirchengemeinde - hat der Kirchengemeinderat beschlossen,  den Standort Gedächtnis weitgehend unverändert zu belassen und den Standort Rosenberg zu verändern.

Auf dieser Grundlage wurde 2007 entschieden, das Gemeindehausgrundstück zu veräußern mit der Auflage, dass dort ein Zentrum für diakonisches Wohnen, Familien und Kindertagestätte entsteht,  die Gemeinderäume in verkleinerter Form in die Kirche einzubauen und  die Kirche räumlich  zu verkleinern und programmatisch nach außen zu öffnen.

 

Nach einer umfangreichen Planungs-, Anhörungs-  und Entscheidungsphase, einem informellen Wettbewerb für den Umbau und der Veräußerung des ehemaligen Gemeindehausgrundstücks konnte im Herbst 2011 mit dem Umbau der Kirche (Entwurf und Bauleitung KammArchitekten Stuttgart) begonnen werden. In den ehemaligen Eingangsbereich und die vormalige Empore der Kirche sowie in den vorherigen „Konfirmandenbau“ wurden Gemeinderäume eingebaut. Zentrum wurde das Bistro im Eingang der Kirche. Im Kircheninneren wurden die Bankreihen auf ca. 240 Sitzplätze stark reduziert, im vergrößerten Altarbereich wurde eine neue Mitte geschaffen.

 

Die umfangreichen Baumaßnahmen waren im November 2012 abgeschlossen. Am Wochenende des ersten Advents 2012 wurden Kirche und integrierte Gemeinderäume feierlich wiedereröffnet mit Konzert,  Gottesdienst und umfangreichem Kulturprogramm.

 

Kiba-Preis: Preisverleihung im Oktober 2014 in München

Der Umbau der Rosenbergkirche war sicherlich eines der innovativsten und umfangreichsten  kirchlichen Umbauprojekte seiner Zeit in Stuttgart. Und eines der wenigen Bauprojekte, in denen der Kostenrahmen (insgesamt 2,35 Mio. Euro) eingehalten werden konnte.

Eine besondere Würdigung erhielt der Umbau mit der Verleihung des 3. Preises der Stiftung KiBa (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland) im Jahr 2014. Bei diesem Preis wurde hervorgehoben, dass es Bauherren und Architekten in besonderer Weise gelungen sei, mit einer selbstbewussten und eleganten Architektursprache zum einen dem Geist der Erbauergeneration gerecht zu werden und zum anderen der gegenwärtigen Bedarfslage zu entsprechen.

 

Voraum der Kirche Foto: Brigida Gonzales, Stuttgart

Vor allem mit dem Bistro im Vorraum der Kirche wurde seit der Wiedereröffnung im Dezember 2012 die beabsichtigte Integration von Gemeindearbeit, Begegnung, Stadtteilarbeit  und Gottesdienst erreicht. Über Monate hinweg wurde ein Mittagstisch angeboten, neue Gruppen wurden integriert. Ein Programm „Rund um die Theke“ wurde geschaffen, neue Gottesdienstformen wurden entwickelt (u.a. Kinokirche Rosenberg) und neues Leben in die Kirche eingebunden. Ein besonderes Highlight war der Kirchentag 2015, in dem sich die Kirche und der Vorplatz als lebendiger Veranstaltungs- und Begegnungsraum - auch in einem Gute-Nacht-Café - präsentieren konnte.  

 

In der Kirche finden neben der Nutzung für die Gottesdienste (auch der kamerunischen Gemeinde) inzwischen zahlreiche Kulturveranstaltungen statt. Neue Impulse beleben Gemeindeleben und Nachbarschaft.

 

Mit der Baufertigstellung und dem Bezug auf dem ehemaligen Gemeindehausgrundstück im Februar 2014 hat das neue Leben im Generationenzentrum Rosenberg mit dem kirchlichen und kulturellen Angebot der Gemeinde sowie der Integration von benachbartem Wohnen und der Kindertagesstätte eine Erweiterung erfahren und ist nicht mehr aus der Nachbarschaft wegzudenken.

Achim Weiler,  April 2014 und überarbeitet Januar 2017