Andacht zum Sonntag Judika, 29. März 2020

Am See Genezareth

Wochenspruch:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20,28)

 

Gedanken zu Matthäus 14, 22-33

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich beginne mit einer Geschichte. Sie spielt am See Genezareth. Dort sind Jesus und seine Jünger sehr beschäftigt. Sie sind umringt von vielen, vielen Menschen, die alle etwas wollen: Hilfe für sich, Heilung für einen Verwandten, Worte, die sie aufrichten. Gut möglich, dass es den Jüngern irgendwann zu viel wird. Sie fühlen sich verloren und hilflos angesichts so vieler unterschiedlicher Lebensgeschichten.

Es heißt, dass Jesus sie ins Boot treibt. Sie sollen schon einmal vorausfahren, ans andere Ufer. Er würde dann nachkommen. Doch wie sie auf dem See sind, kommen sie in Not. Wellen, vom Wind aufgepeitscht, bringen ihr Boot in arge Bedrängnis. Die Jünger müssen sich gut festhalten, um nicht aus dem Boot zu fallen. Und wie sie mit zusammengekniffenen Augen auf den See starren, erkennen sie eine Gestalt. Es ist kein Gespenst, wie die Jünger zuerst befürchten. Es ist Jesus, der ihnen auf dem Wasser entgegenkommt. „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ ruft er ihnen auf dem stürmischen See zu. (Matthäus 14,27)

365-mal findet sich in der Bibel der Satz „Fürchte dich nicht!“ Für jeden Tag im Jahr könnten wir das jeweils neu lesen. Vielleicht brauchen wir ihn nicht jeden Tag, aber an manchen Tagen hat er eine besondere Bedeutung. Dann nämlich, wenn es uns so geht wie den Jüngern im schwankenden Boot. Das Boot – unser Lebensboot – wird immer wieder heftig geschüttelt auf stürmischen Gewässern. Der Wind kommt von vorne. Schlimm ist, dass wir dann keinen festen Boden unter den Füßen mehr spüren.

Der Wind, der uns von vorne anweht, speist sich aus vielen Ursachen. Eine ist in diesen Tagen die allgegenwärtige Krise durch das Coronavirus. Ein unsichtbarer Feind, der aber eine sehr konkrete Bedrohung für Leib und Leben darstellt. Es ist schwer, vertraute Menschen meiden zu müssen. Keinen Kontakt und keine Berührung. Und manche stellen sich die bange Frage: Wie wird es weitergehen? Wird meine Familie gesund bleiben? Welche Folgen wird all dies in der Zukunft haben?

Jesus kommt zu seinen Jüngern ins Boot. Mitten in ihre Angst kommt er und spricht Worte, die die Angst aufsprengen: „Fürchtet euch nicht!“ Nun können die Jünger die Augen, den Kopf heben und auf ihn sehen. Er steht ihnen bei. Das verspricht er mit seinen Worten: „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ In allem was dich umtreibt, du bist nicht allein, sagen seine Worte.

Jesus Christus steht uns bei. Manchmal aber bleiben wir so in unserer Angst gefangen, dass wir diese Worte nicht hören. Der Wind ist zu laut, das Boot schaukelt zu heftig. Dann kann es sein, dass Jesus uns zuruft: “Komm, trau dich aufs Wasser und verlass dich auf mich!“

Auf diese Weise ruft er Petrus. Der vertraut ihm und wagt sich aufs Wasser, den Blick stets auf Jesus gerichtet. Und siehe da, das aufgewühlte Wasser trägt.

Das Wort „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“ trägt auch mein Leben! In den Ängsten dieser Zeit lädt Jesus uns ein, den Kopf zu heben und auf ihn zu schauen, der bei uns ist. Sicher sind die Ursachen, die uns Sorge machen, nicht aufgehoben. Das Wunder jedoch geschieht, dass wir in der Gegenwart Jesu Christi Momente der Ruhe und Entspannung erfahren. Trost. Mein Lebensschiff ist auch in Seiner Hand!

Diese Gewissheit in unruhigen Zeiten wünsche ich Ihnen von Herzen.
Bleiben Sie behütet!

Pfarrerin Heidi Essig-Hinz

Gebet

Barmherziger Gott,
du traust uns zu,
auch in unwegsamem Gelände nicht verloren zu gehen.
Du traust uns zu,
Sturm und Wetter zu trotzen.
Wir aber erschrecken leicht.
Reiche uns in unserer Furcht deine Hand,
die uns hält.

Gott, wir vertrauen auf deine Nähe.
Halte die Ängstlichen.
Löse die Herzen der Verbitterten.
Bewahre die Fröhlichen.
Ermutige die Tüchtigen.
Segne die Liebenden.
Vergib den Schuldigen.

Wir rufen dich an:
Herr wir bitten dich: Erhöre uns!

Vater unser im Himmel

Segen

Gesegnet bist du
vor all deinem Tun
lass dir das Gute zusprechen
im Genießen des Lebens
der Zärtlichkeit
des Mitgefühls
des Staunens
der Sensibilität
Genieße die alltäglichen Wunder
So wirst auch du zum Segen für viele.

Pierre Stutz

 

Pfarrerin Heidi Essig