Andacht zu Palmsonntag, 05.04.20

 

Wir laden Sie ein, mitzulesen und mitzusprechen. So sind wir verbunden im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

 

Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche. Er hat seinen Namen vom Johannesevangelium Kapitel 12, wo geschildert wird, wie die Menschen Jesus mit Palmzweigen und Hosianna-Rufen in Jerusalem empfangen.

Nur wenige Tage später werden sie „Kreuzige!“ schreien.

Jesus hat seinen Weg vor Augen. Er geht ihn konsequent bis zum Ende, um seinen Auftrag zu erfüllen.

So sagt er im Wochenspruch für die Karwoche:

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3, 14)

 

Die ersten Gläubigen haben zu dieser Phase im Lebenslauf Jesu einen Hymnus verfasst:

Seine privilegierte Stellung an der Seite Gottes hat Jesus aufgegeben und in der Niedrigkeit menschlicher Existenz sein Leben hingegeben. So steht es im Philipperbrief:

 

Wochenpsalm - Hymnus aus dem Philipperbrief Kapitel 2

 

Jesus Christus, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode,

ja zum Tode am Kreuz.  

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben,

der über alle Namen ist, 

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen

aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

 

Predigttext – Markus 14, 1-9

Was geschah in den Tagen zwischen dem Einzug Jesu in Jerusalem und seinem Leiden und Sterben? – Der Predigttext für den Sonntag schildert eine bemerkenswerte Begebenheit, die sich 2 Tage vor dem Tod Jesu zutrug.

 

1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. 2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

 

Gedanken

„Ihr habt allezeit Arme bei euch!“ Diesem Satz werden wir alle zustimmen. Armut und Elend wird es immer geben. Menschen, die im Müll stöbern auf der Suche nach etwas Essbarem. Menschen, die von Krankheit gezeichnet sind. Menschen mit gestörten Beziehungen und kaputten Familien. Und natürlich haben wir in diesen Tagen eines vor Augen: Die Bilder von überfüllten Intensivstationen, von Menschen, die ohne Beistand sterben.

Welch ein Elend! Wenn Jesus sagt: „Ihr habt allezeit Arme bei euch!“, dann heißt das: „Da habt ihr eine Aufgabe, mit der ihr euch beschäftigen müsst, mit der ihr noch genug zu tun haben werdet: Armen zu helfen, wo immer möglich.“ Gleichzeitig stellt dieser Satz fest: „Aus der Welt schaffen werdet ihr Armut und Elend nicht. Ihr werdet allezeit und immer wieder damit konfrontiert sein.“

Es ist schwierig, diese Spannung auszuhalten: sich zu engagieren und dabei zu wissen, dass wir die Probleme dieser Welt nicht alle lösen können. Das Unheil geht weiter seinen Gang.

So wie in der Passionsgeschichte. Zu Beginn des Predigttextes wird berichtet, wie die Hohenpriester und Schriftgelehrten eine Möglichkeit suchen, Jesus zu töten. Verrat, Gewalt und Erniedrigung kündigen sich an. Unheil braut sich zusammen. Mitten hinein in diese anbrechende Dunkelheit fällt wie ein Lichtkegel die Szene von der Salbung in Betanien. Was für ein Kontrast! Auf der einen Seite die sanften Hände einer Frau, die streicheln, pflegen, zärtlich sind. Auf der anderen Seite die rohe Gewalt der Männerhände, die schon in wenigen Tagen diesen Leib sadistisch quälen werden. Auf der einen Seite die fürsorgliche Güte, auf der anderen Seite die ungehemmte Grausamkeit, die scheinbar alles zerstört, was diese Frau getan hat.

Aber gerade so gibt uns diese kleine Szene am Anfang der Karwoche ein Gegenbild zur brutalen Gewalt, die alles zu dominieren scheint.

Die Frau salbt den Leib Jesu im Voraus zum Begräbnis mit kostbarstem Öl. Sie salbt Jesus, der bald als Verbrecher am Kreuz sterben wird, zum König ihres Lebens und drückt damit aus: „Du bist für mich der Messias, der Christus. In dir entdecke ich die ganze Fülle des Lebens, auch wenn ringsumher dunkle Wolken des Unheils aufziehen!“ Der Duft ihrer Zuwendung begleitet Jesus bis ans Kreuz und weht durch die Jahrhunderte bis zu uns.

Ich will mich umwehen lassen von diesem Wohlgeruch und mir diese Frau als Beispiel nehmen: Nicht resignieren über all dem Elend und dem Leid, sondern trotz allem das Leben verschwenderisch lieben, weil Gott es liebt, weil er uns in Jesus Christus dieses Leben schenkt.

 

Gebet

In Jesus Christus bist du uns nahe gekommen, liebender Gott. Du kommst gewaltlos. Du lieferst dich Menschen aus und gibst dein Leben hin.

So machst du uns Hoffnung, dass Sanftmut und Liebe in einer Welt der Gewalt nicht vergeblich sind.

Wir bitten dich für die Armen und Notleidenden bei uns und in aller Welt, die wir tatsächlich allezeit bei uns haben.

Wir bitten dich für alle Menschen, die Zeichen der Liebe setzen.

Dabei denken wir besonders an alle, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Diakoniestationen arbeiten und ihren oft schweren Dienst am Nächsten tun.

Und für uns selber bitten wir: Gib uns offene Augen und Ohren, ein offenes Herz und Hände, die helfen.

Und schenke uns gerade in unheilvollen Tagen Freude am Leben, Freude an deiner Liebe. Amen.

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
AMEN.

 

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. AMEN

 

 

(Pfarrerin Eva Deimling, Referentin des Stadtdekans)

 

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