Abschied von Pfarrerin Astrid Riehle

Über sechs Jahre lang war Pfarrerin Astrid Riehle als Referentin beim Stadtdekan und in unserer Gemeinde tätig. Hier war verantwortlich für den Gedächtniskindergarten, die seelsorgerliche Betreuung im Lutherstift (Alten- und Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung), für Besuche und Kasualien (Taufe, Trauung und Bestattung) im Seelsorgebezirk Gedächtnis I. Und sie hatte Predigtdienst in der Gedächtnis-, Rosenberg- und Waldkirche. Im Dezember vergangenen Jahres wurde sie zur neuen Pfarrerin an der Paul-Gerhardt-Kirche gewählt.

In ihren Abschiedsworten spannt einen weiten Bogen über ihre reiche Zeit und die vielfältigen Aufgaben im Stadtdekanat und in unserer Gemeinde.

Ihrem Dank schließen wir unseren Dank und unsere guten Wünsche für die Zukunft an.

Abschiednehmen -

der Blick in den Rückspiegel zeigt ein abwechslungsreiches Panorama mit besonderen Höhepunkten

Der Kirchengemeinderat der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde hat mich im Dezember zur neuen Pfarrerin an der Paul-Gerhardt-Kirche gewählt. Das bedeutet, ich werde im März die Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde verlassen. Ich freue mich über die neue Stelle und darüber, nur einen Kirchturm weiter gen Westen ziehen zu müssen, um meine Gaben als Pfarrerin auch künftig in Stuttgart einzubringen. Dankbar blicke ich auf sechseinhalb Jahre im Dekanat und in der Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde. Wenn Sie mögen, schauen Sie mit mir zurück:

 

Einen Augenblick lang hatte ich gezögert, bevor ich Dekan Ehrlich zugesagt habe. Was tut eine "Referentin des Stadtdekans"?  Ein „zu viel“ an Verwaltung oder „Zuarbeit“ hatte ich befürchtet.

Es kam, wie Herr Ehrlich mir versprach, ganz anders. Ich entdecke rückblickend, wie vielfältig und bunt die vergangenen sechseinhalb Jahre gewesen sind: Mitzuerleben, wie der alte Hospitalhof abgerissen, der neue geplant und gebaut wurde, das Richtfest im großen Stil auszurichten, eine erste, schöne Herausforderung. Die Vorbereitungen der Kirchentage in Hamburg und Stuttgart und das Mitmachen vor Ort - unvergesslich! Im "Stuttgarter Gasthaus" auf den Hamburger Magellan-Terrassen empfing ich 2013 die Hamburger Kirchentagsbesucherinnen und -besucher als Marie Josenhans (1855-1926) und stimmte sie als ehemalige „Armenpflegerin“  Stuttgarts auf die schwäbische Landeshauptstadt ein.

Beim Abend der Begegnung während des Stuttgarter Kirchentags 2015 koordinierte ich die Stände württembergischer Gemeinden und moderierte das Bühnenprogramm auf der Theodor-Heuss-Straße. Der enge Kontakt mit der jeweiligen Kirchentagscrew hat mir große Freude gemacht.

In der zunehmend säkularer werdenden Stadtgesellschaft, versuchte ich Gelegenheiten zu nutzen, Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionen zusammen zu führen. Einander kennenlernen und Veranstaltungsformate entwickeln, bei denen wir unseren Willen zum friedlichen Zusammenleben öffentlich ausdrücken, war mein Ziel. Am Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart  2013 wurde daraus eine interreligiöse Feier in der Leonhardskirche. Für die interkulturelle Woche  2014 lud ich die katholische Kirche, die jüdische Gemeinde, muslimische Gemeinden, die Aleviten, den Zen-Dojo und Vertreter des Hinduismus ein. Gemeinsam bereiteten wir ein interreligiöses Tischmahl vor. Im neu bezogenen Hospitalhof begrüßten wir 100 Menschen zu koscherem Essen und Tischreden unter der Fragestellung, "Ob Religion durch den Magen geht?"

Die Moderation von Gremien, der Besuch bei Kirchengemeinderäten mit der Milieustudie im Gepäck, die Begleitung der Ausbildungsvikarinnen und -vikare, die Entwicklung der Stuttgarter Kirchenpost, das jährliche Adventsliedersingen dienstagabends im Innenhof des Hospitalhof mit Bläsern und  Chören, interessante Sitzungen in den Ausschüssen der Gesamtkirchengemeinde und des Kirchenkreises, die Mitarbeit in der Steuerungsgruppe des Pfarrplans, ... Routinen und Projekte, an die ich mich gerne gewöhnt habe. Durch sie habe ich tiefe Einblicke und Blicke über den Tellerrand hinaus gewonnen. Ein letztes inspirierendes Ereignis war für mich der humorvolle Talk mit der Schauspielerin und Comedian, Maren Kroymann, auf der Bühne des Hospitalhof zur Eröffnung des Kirchenkreistages im Sommer.

 

Der kirchliche Ort im Nahbereich war für mich in den zurückliegenden Jahren die Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde. Mein "Gemeindepfarrerinnen-Herz" konnte hier seine Leidenschaft wachhalten: eine interessierte Gottesdienstgemeinde, ein engagierter Kirchengemeinderat, kreative Erzieherinnen, die Lust haben auf fröhliche Familiengottesdienste. Krippenspiele an Weihnachten, ein Esel an Palmsonntag, das wunderbare Brunnenfest, ein Seelsorgebezirk mit zwei  Pflegewohnheimen, in denen ich Gottesdienst gehalten und Gespräche geführt habe, die mich reich beschenkt ins Dekanat zurückkehren ließen. Das Rosenbergkirchenzentrum wurde für die Teilnehmenden der Exerzitien und der Montagsmeditation zu einer kirchlichen Heimat, in der sie an ihre christlichen Wurzeln anknüpfen und sie vertiefen konnten.

 

Es hat sich gelohnt. Ich habe mich nach meiner Zeit am Pfarrseminar der Landeskirche locken lassen, aufs große Ganze zu schauen, auf die evangelische Kirche in der Stadt. Ich habe entdeckt, welch unschätzbarer Reichtum sich hinter der Etikette "Evangelische Kirche in Stuttgart. In der Stadt. Mit der Stadt.  Für die Stadt" verbirgt: Eine Gesamtkirchengemeinde mit 20 Einzelgemeinden, ein Kirchenkreis mit vier Dekanaten. Die Vielfalt an Gottesdiensten, Kindertageseinrichtungen, Diakonischen Einrichtungen, exzellenten Kirchenmusiken, das zentrale Bildungs- und Verwaltungszentrum, der Hospitalhof, die vielen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden...

Noch eines habe ich entdeckt: egal, wo ich arbeite und was ich tue für mich ist entscheidend, dass ich meine Arbeit so tue, dass mein Herz darin schlagen kann. Darauf will ich auch künftig achten.

Wie heißt es im Buch der Sprüche so schön? .Darum hüte dein Herz, denn aus ihm quillt das Leben..

Danke für die gemeinsame Zeit und Ihre wertschätzenden Rückmeldungen!

Ich freue mich, auf künftige Begegnungen im Stuttgarter (Nord-)Westen,

Ihre

Astrid Riehle

Danke Astrid Riehle

"Der Wind (der Geist Gottes) weht tatsächlich, wo er will". Diesen Satz in Anlehnung an Joh. 3, 8 hat Pfarrerin Astrid Riehle aufgenommen, als sie sich vor über sechs Jahren im Gemeindebrief als Referentin beim Stadtdekan und damit auch als „Teilzeitpfarrerin“ in unserer Gemeinde vorgestellt hat.

So hat dieser Wind auch Astrid Riehle in unsere Gemeinde geweht. Immer wieder wie ein Wirbelwind, manchmal auch als zarter Hauch hat sie viele Spuren hinterlassen. So war sie eine immer zugewandte Seelsorgerin für die Menschen in ihrem Bezirk und im Lutherstift, ebenso wie sie die Gemeinde mit ihren Predigten und Segnungen beseelt hat. Sie hat sich intensiv um die Belange des Gedächtniskindergartens gekümmert, im Kirchengemeinderat und in Gemeindegruppen zielführend und immer anregend moderiert.

Sie hat Gemeindefeste umsichtig organisiert, an Weihnachten die Krippenspiele mit vielen neuen Ideen begleitet. Ein ganz besonderes Geschenk hat sie den Menschen gemacht, die bei ihr in der Fastenzeit die Kurse für christliche Meditation besucht haben: sie konnten in den „Exerzitien im Alltag“ mit ihr schweigen, sich konzentrieren, auf ein christliches Wort hören und dabei das eigene Herz öffnen. Und in ihrem „letzten“ Jahr in der Gemeinde hat sie mit großem Engagement für die Gedächtniskirche eine neue Lautsprecheranlage .besorgt.

Für sechseinhalb Jahre in „Teilzeit“ ist das enorm. Wir danken ihr ganz herzlich für all die Zuwendung und Kraft, die sie uns geschenkt hat. Nun weht der Wind, der Geist Gottes, Astrid Riehle weiter. Nicht weit den Hang hinauf in die Paul-Gerhard-Gemeinde, von wo aus sie uns immer wieder mal besuchen kann und umgekehrt. Natürlich freuen wir uns mit ihr und wünschen ihr Gottes Segen für ihre neue Aufgabe. Wir werden sie aber auch sehr vermissen.

 

Achim Weiler